Mount Kinabalu – die Besteigung des malaysischen Riesen

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Der Auf- und Abstieg

Mit Amazing Borneo Tours habe ich den Anbieter ausgewählt, der für mich das beste Preis-Leistungsverhältnis für die Besteigung des Mount Kinabalu geboten hat. Mittlerweile darf man den Riesen nicht mehr ohne Guide besteigen. Spätestens nach dem Vorfall 2015 als sich eine Gruppe am heiligen Gipfel nackt ausgezogen hat und ein paar Tage später ein Erdbeben die Gegend erschütterte, scheinen die Locals eher darauf bedacht zu sein, geführte Touren anzubieten. Naja, alleine wäre ich sowieso nicht losgezogen. Von dem her: soweit so gut.

Einer Gruppe von 4-6 Leuten wird ein Guide zugeteilt. Meine Gruppe besteht aus einem zurückhaltenden japanischen Pärchen, einer spanischen Diva und mir – dem wohl am besten vorbereiteste Tourist, der den Berg je bestiegen hat. Zumindest fühle ich mich so mit meinem Backpack. Am Eingang treffen wir auf noch viele weitere Bergbesteiger, die den Hike heute mit deren Guides bestreiten, aber keiner hat so einen großen Backpack wie ich. 8 bis 10 kg würde ich schätzen, die anderen sehen aus als hätten sie nur das Nötigste dabei. Entweder haben sie die Vorbereitungsliste nicht richtig gelesen oder sie sind dann doch erfahrener. Zweiteres ist der Fall, denn Wandersocken, Leggins, Wanderstöcke und gerade noch am Powerriegel knabbern sieht dann doch sehr professionell aus.

Nach der Anmeldung und der Erklärung, dass ich all das auf eigene Gefahr mache, gehen wir als kleine Gruppe los. 6 km bis zur Basisstation und 1 km Höhenunterschied. 4 Stunden brauchen wir für diese erste Strecke und ich dachte, das wird ein netter Walk. Pustekuchen. Wir hatten in Kuching noch mit einem Taxi-Fahrer gesprochen, der den Hike schon gemacht hatte. Seine Aussage: ‚Self-Challenging‘ und dieser Begriff passt für die Besteigung des Mount Kinabalu zu 100 Prozent. Ich weiß ja nicht ob ich viel zu viel Gepäck dabeihabe (ich hatte definitiv zu viel dabei) oder ob ich nicht fit genug bin (ich bin definitiv nicht mehr so fit wie noch vor ein paar Monaten), aber dieser Aufstieg hat es wirklich in sich. Stufe um Stufe, Stein um Stein geht es diese 6 km nach oben, als gäbe es keinen Morgen mehr.

Besteigung des Mount Kinabalu

Ich habe schon lang nicht mehr so etwas Anstrengendes gemacht. Da sind die unzähligen Fußballspiele ein Spaziergang dagegen. Im Basislager angekommen, gibt es erst einmal Verpflegung und ein warmes Bett.

In 3300 Metern Höhe des Mount Kinabalu ist es dann doch kälter, als ich vermutet hätte. Von 14.00 – 16.00 Uhr verbringt jeder nochmal etwas Zeit für sich, bevor es dann Dinner gibt bis 19.00 Uhr. Warum so früh? Weil die Besteigung des Gipfels nachts um 2.00 Uhr beginnt.

Aussicht Mount Kinabalu

Nach der Stärkung, aber immer noch kaputt lege ich mich in mein Feldbett in dem kleinen 4er-Dorm, höre noch ein wenig Musik und schreibe Malina wie es dort oben so ist. Dann versuche ich gegen 18.30 Uhr zu schlafen. Das klappt eher weniger gut, aber ein bisschen Schlaf bekomm ich dann doch bevor um 1.47 Uhr der Wecker klingelt. Mit einem kleinen ‚Frühstück‘ (Mee Goreng und ein paar Baked Beens – yummi!) fühle ich mich gestärkt für den Nachtaufstieg. Wasser, Powerriegel und Karotte werden in die Taschen gestopft, Kamera umgehangen, die Lampe auf der Stirn angeknipst und ab geht’s in die Dunkelheit. 3 Stunden dauert der Nachtaufstieg und der erste Part besteht wieder nur aus einer Millionen Treppen. Doch ohne Backpack – den konnte ich im Basislager lassen – ist das alles dann doch etwas angenehmer und auf dem Gipfel erwartet uns mit Sicherheit ein wunderschöner View. Nach 2 Stunden geht dann erst der richtige Kletterteil los. Ein Seil kennzeichnet den Weg durch das Gestein und die felsige Landschaft. Händen und Füßen wird nochmal einiges abverlangt. Andere mutige Kletterer übergeben sich mittlerweile oder lassen noch einmal andere Ausscheidungen auf dem Mount Kinabalu als Geschenk da. Ich fluche immer wieder ein wenig vor mich hin, denn ich komme einfach echt an meine Grenzen. Um 5.30 Uhr aber haben wir dann den höchsten Punkt des Berges erreicht. Es ist eisig kalt, aber zum Glück bin ich ja bestens vorbereitet. Ich habe 5 Schichten an, quasi meinen kompletten Haushalt an Pullis und Jacken. Die Diva schafft es auch bis nach ganz oben, sie hat aber nur einen Jutebeutel dabei, in der sich eine einzige dünne Jacke versteckt. Sie verschanzt sich somit hinter den Steinen, damit der Wind sie nicht so sehr erwischt. Ich glaube so richtig genießen konnte sie es dann da oben nicht. Um kurz vor 6.00 Uhr beginnt die Sonne aufzugehen. Es wird hell und nicht nur die Sonne, sondern auch mein Herz geht auf.

Sonnenaufgang auf dem Mount Kinabalu

Wann hatte ich zuletzt einen Sonnenaufgang gesehen? Das ist schon ewig her und dann über den Wolken auf 4095 Metern Höhe, das ist schon sehr speziell. Es wird heller und heller und nun sehe ich auch erst einmal was ich hier für einen Weg zurückgelegt habe und trotz aller Strapazen bin ich doch stolz den Aufstieg geschafft zu haben. Mit dem Tageslicht beginnt auch um 6.30 Uhr der Rückweg zum Basislager. Diese Aussicht auf dem Rückweg – es gibt keine Beschreibung dafür, ich fühle mich so, als ob ich Fliegen könnte. Wunderschön. Nur ein paar wenige Wolken bedecken die kleineren Hügel im Tal, ansonsten kann der Blick richtig weit streifen und diese Stille…

Am Basislager angekommen gibt es ein zweites Frühstück, bevor es wieder ins Tal zurückgeht. 6 km wieder bergab. Meine Beine beginnen langsam schwach zu werden, der Rucksack fühlt sich immer schwerer an und meine Knie beginnen nach Kilometer 4 zu zittern. Der Fußmarsch wird zum Wettkampf gegen die eigenen Beine. Wir kommen in der Gruppe am Eingang an. Dort sind nochmal 20 Treppen zu überwinden, die ich tatsächlich nur noch mit Hilfe des Geländers schaffe. Ein Lunchbuffet, eine Urkunde und der Rücktransport nach Kota Kinabalu beenden den Trip auf den mächtigen Riesen.

Michas Fazit in 5 Sätzen:
  • so eine Self-Challenge habe ich nicht vorgehabt
  • nochmal so einen Riesen besteigen – nein Danke
  • Der Aufstieg war der Horror, der Abstieg ein Kampf
  • der View auf dem Gipfel war dafür unbeschreiblich und mit nichts zu vergleichen
  • Schade, dass ich nicht einmal aus Spaß meine Notfallpfeife benutzen konnte
Malinas Fazit in 1 Satz:
  • Ein Glück bin ich nicht mitgegangen
Transport zum Mount Kinabalu und nach der Besteigung zurück nach Kota Kinabalu

Morgens um 6.00 trifft sich der komplette Sprinter in Kota Kinabalu um die Hiker, welche die Tour bei Amazing Borneo Tours gebucht haben, abzuholen. Auch nach den zwei Tagen werden die Hiker wieder in Kota Kinabalu ausgesetzt. Der Service passt. Snacks und Wasser kann man beim Basislager kaufen für den 3fachen Preis etwa.

Kosten und Vorbereitung für die Besteigung des Mount Kinabalu

Die Bergbesteigung all-inclusive für 1,5 Tage kostet für einen Single-Traveller 1450 RM (ca. 310 EUR). Doch bei der Buchung verwundert mich schon, dass Single-Traveller 400 RM (ca. 85 EUR) mehr zahlen müssen als Paare pro Person. Sei es drum.

Die Vorbereitungen treffe ich einen Tag bevor es losgeht. Eine Packliste stellt Amazing Borneo Tours zur Verfügung, die ich dezidiert studiere und jeden Artikel einpacke bzw. noch besorge. Ich habe zwar noch nie einen so hohen Berg bestiegen, bin aber zuversichtlich. Die Handschuhe, Tabletten die Wasser trinkbar machen und ein paar Snacks kaufe ich noch ein, die Notfallpfeife habe ich bereits seit Beginn unseres Trips am Backpack (der Beweis: Verlinkung Packliste). Darüber muss ich tatsächlich später auch echt schmunzeln, ich bin nämlich der Einzige mit diesem Gadget – verwunderlich eigentlich.

Im Nachgang ist ganz klar: die Packliste beinhaltet viel zu viel. Tipp: Klamotten wirklich nicht zu viel mitnehmen, am besten natürlich Funktionskleidung. Über was ich aber sehr froh war, waren die vielen Jacken, Handschuhe und Mütze. Auf dem Gipfel ist es einfach total kalt (ca. 0°C).