Mekong Delta – … und wir dachten das wird eine Bootstour

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Wir fahren zu einer total wuseligen Busstation in Ho Chi Minh City. Jeder schreit uns an und möchte, dass wir an seinem Schalter ein Ticket kaufen – wir haben aber doch schon eins. Micha hat für uns den Bus um 12.31 Uhr gebucht. Ziel ist die größte Stadt im Mekong Delta – Can Tho.

1| Sehenswürdigkeiten: Unsere Highlights und Tipps für Can Tho

Nightmarkets und die Stadt zu Fuß erkunden

Wir finden die Nightmarkets und probieren vietnamesische Pizza und Schoko-Eggwaffles (SCHOKO-WAFFEL aawww).

Danach laufen wir durch kleine Gassen, wo es keine Imbisse oder Restaurants gibt und da die Vietnamesen bei dieser Hitze alle ihre Türen und Fenster offen haben, können wir viele Blicke in deren Wohnungen werfen. Jede ist fast gleich aufgebaut: wenn man rein kommt steht man direkt im Wohnzimmer. In jedem Wohnzimmer gibt es einen Flatscreen und kleinen Altar, der bunt und sehr aufwändig geschmückt ist. Alles wirkt ziemlich unaufgeräumt und dreckig. Die Menschen sitzen einfach auf dem Boden und essen oder gucken Löcher in die Luft. Wie verrückt das Leben hier doch ist. Neben teuren Hotels stehen gut gebaute Wohnungen mit Menschen, die sich Roller und Restaurant leisten können oder aber Hütten mit Menschen, die aus ihrem Wohnzimmer heraus irgendwelche Sachen verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Can Tho Touring with Susan im Mekong Delta

Wir treffen uns mitten in Can Tho im Mekong Delta mit Susan, die eigentlich Thao heißt, an einer lokalen Busstation in Can Tho. Wir sind im Internet in irgendeinem Forum auf sie aufmerksam geworden und haben sie dann einfach mal bei Facebook angeschrieben (Nachher haben wir herausgefunden, dass sie auch bei TripAdvisor auf Platz 3 gerankt ist, aber wir fanden uns so unglaublich clever und haben gedacht wir hätten super zufällig wieder einen Local Guide gefunden…) Susan also, eine kleine Vietnamesin, mit hellblauer Brille und langen (!) Klamotten. Bei 38°C eine klare Ansage. Wir haben aber gestern sogar jemanden mit Winterjacke gesehen. „Why do you wear this long clothes? We are sweating even if we don’t do anything.“ – „Oh, I wanna be white like you.“ Ok, fetter Diss. Danke 😀 aber gut, hätten wir diese Frage auch mal geklärt. Wir steigen in einen Local Bus, der bei jeder Unebenheit im Boden droht auseinander zu fallen und quatschen mit Susan über das Leben im Mekong Delta. In Binh Minh angekommen, treffen wir die anderen Tour-Teilnehmer: Mike aus New York (Yellow Mike, Micha ist Green Mike) und An und Jude aus Bangkok – cool! Als erstes gibt es Lunch – die Tour gefällt uns jetzt schon. Blöd nur wenn man erst vor einer halben Stunde „gefrühstückt“ (Suppe…) hat. Yellow Mike möchte nichts essen, er will nur ein Bier. Gibt es hier nicht. Dann möchte er nur puren Reis. Ok, jeder wie er will. Yellow Mike ist hier in Vietnam eigentlich nur aus medizinischen Gründen. Er hat Zahnprobleme und da er in den USA keine Krankenversicherung hat, ist er hier hergekommen, hier ist es viel billiger (und die Kosten für das Flugticket?) Plötzlich kommt ein kleines Holzboot angeschippert, der Kapitän: Susans Papa. Wir fahren entlang des Mekong, in einem Boot was gerade so über die Wasseroberfläche hinausragt – tiefergelegt quasi, bis wir das erste Mal anhalten. Die Frauen schnappen sich alle einen der Spitzhüte und wir laufen durch zig Plantagen, in denen Gemüse und Kräuter in perfektionierter Handarbeit angebaut werden. Die Asche, die vom Verbrennen der Reishülsen entsteht, wird mit Erde vermischt und in Bananenblätter eingerollt. In die Mitte wird dann jeweils ein Samen gesteckt.

Es ist wirklich so aufwendig, wie es sich anhört. Diese kleinen Pflänzchen wachsen dann ca. 4 – 6 Wochen hier am Mekong und werden danach verkauft. Unwirklich, die Frauen da am Mekong zwischen ihren herunter gekommenen Steinhäusern ohne Türen zu sehen, wie sie gerade Kräuter und Gemüse im großen Stile anpflanzen. Ein paar Schritte und drei Häusergassen weiter erreichen wir die 30 Jahre alte Reis-Sortier-Anlage.

Die Gemeinschaft macht hier selbst Reis für sich, er wird nicht zum Verkauf angeboten. In 4 Stationen wird der Reis gesiebt, gesondert, weiter gesiebt und verzehrtauglich aufbereitet. Die Anlage im Mekong Delta erinnert eher an eine übergroße Zementmischanlage als eine lebensnotwendige Manufaktur für die Nachbarschaft. Ein paar Minuten Fahrtzeit mit dem Boot weiter auf dem Mekong, landen wir auf dem lokalen Markt. Früchte, Gemüse, Fisch, Fleisch, alles frisch und in einer Vielfalt, wie man es aus Deutschland nicht kennt. Yellow Mike bekommt jetzt endlich sein Bier. Ungekühlt aber dafür im Plastikbecher mit Eis. Um sich unseren Ausflug, so gut wie möglich vorzustellen, muss man auch noch wissen, dass Yellow Mike quasi ununterbrochen den ganzen Tag Bilder mit seiner Kamera, alternativ mit seinem Handy oder seiner GoPro macht und zwischendurch immer mal wieder Sprachnachrichten per Whatsapp auf Rumänisch an seine Mutter sendet. Aber nicht so zwei, drei am Tag, sondern so zwölf, dreizehn die Stunde. Wir kaufen für das gemeinsame Abendessen viel verschiedenes Gemüse und Früchte und … ja, auch Fisch. Uns wird es beiden ziemlich übel, als wir an dem Fischstand stehen. In Becken, der Größe von Wäschekörben, tümmeln sich Fische, die da gerade noch reinpassen, ohne dass das Wasser überläuft.

Als Susan einen Fisch wählt, geht das Theater los. Die Verkäuferin schnappt sich den Fisch, packt ihn in eine Plastiktüte und zertrümmert ihm mit einer Eisenstange den Kopf. Malina quitscht, Susan wedelt mit den Händen herum, dass wir wegschauen sollen, aber die Neugier siegt. Ein weiterer Hieb, dann öffnet sie die Tüte, nimmt den Fisch raus, bricht ihm den Kiefer und schneidet ihm die Flossen ab. Die Verkäuferin legt den Fisch – hoffentlich tot – in die mitgebrachte Tupper von Susan und sackt ihr Geld dafür ein. Noch ein bisschen Schweinefleisch vom lokalen Metzger – das Fleisch liegt einfach nur auf Holzbrettern, wurde aber heute Morgen ganz frisch geschlachtet. Alternativ kann man sich auch frische Hühner oder Gänse zubereiten lassen, das Procedere wird dann wohl dem, des Fisches ähneln. Das haben wir zum Glück nicht mitbekommen. Yellow Mike ist plötzlich verschwunden, erscheint aber wenige Minuten später wieder mit zwei Plastiktüten voller Bier in der Hand. Der Trip ist gerettet. Zurück im Boot bringen wir noch ein: „It’s time to become a vegetarian“ von den Lippen und schauen dann verstört einfach nur ein bisschen die grüne Oase um uns herum an und versuchen uns nicht zu übergeben. Der nächste Stop lässt unser Fisch-Trauma aber schnell vergessen. Wir halten erneut irgendwo Mitten im Mekong Delta, laufen ein paar Meter und stehen dann in mitten einer bunt geschmückten buddhistischen Tempelanlage. Eine unglaubliche Vielfalt an Schmuck, Bändchen, Teppichen an den Wänden und alles Gold bemalt.

Außer uns ist niemand hier und so genießen wir die Ruhe, die dieser Innenhof ausstrahlt und bewundern die vielen einzelnen Bauwerke. Der letzte Halt an diesem Tag ist das Haus von Susans Eltern. Hier benötigt man tatsächlich kein Auto oder Moped, man erledigt alles mit dem Fahrrad oder dem Boot, da es direkt am Mekong liegt.

Wir halten direkt vor der Einfahrt eines Steinhauses mit Wellblech-Dach. Fünf Zimmer, zwei Bäder, eine Küche und ein riesiger Garten. Die Familie scheint wohlhabender zu sein als viele andere hier in Vietnam. Aber die Tour kostet uns auch pro Kopf 60$. Es sind 5 Gäste – 300$, wenn sie die Tour 2 Mal in der Woche macht sind das 2400$ im Monat. Umgerechnet in Dong ca. 55 Millionen und in Euro knapp 2000. Abziehen muss man dann natürlich noch das Geld für Essen, Trinken, Bootsfahrt und Eintritte. Aber das ist trotzdem fast das 5fache von einem ganz gut angesehenen Job in einem Wirtschaftsunternehmen in Ho Chi Minh City. Wow, irgendwas macht die Familie da wohl richtig, sich auf Tourismus zu spezialisieren. „You take the Coconut water and then you can chill in the hammocks in my garden“ Cool. Alles klar! Wir laufen einen kleinen Weg entlang, vorbei an einem Teich mit Lotusblumen und Bäumen an denen uns unbekannte Früchte wachsen, bis zu einem wunderschönen kleinen überdachten Platz, wo fünf Hängematten stehen. Susan bringt uns noch die auf dem Markt gekauften Früchte, von denen wir nur Wassermelone und Mango benennen können. Wir stauben bei den Thailänderinnen Tipps für Bangkok ab und schlendern dann bis zum Ende des Gartens. Es geht einen kleinen Hügel hoch und dahinter sind so weit das Auge reicht Reisfelder zu sehen. Wahnsinn!

Beim gemeinsamen Abendessen, kommt Susans Papa mit einer durchaus schon mitgenommenen 0,5 l Wasserflasche um die Ecke. In der Flasche ist eine dunkelrot-violette Substanz. Selbstgebrannter Reiswein! Cheers, kurz so tun als würde man trinken …. „Schatz, Du musst es trinken, bitte nimm es Dir ganz unauffällig.“ So praktisch das uns hier keiner versteht. Genauso appetitlich wie der Wein aussieht, so verkommen schmeckt er dann auch. Egal, selbstgebrannter Wein, Micha nimmt nach Malinas Glas sogar noch Nachschub. Das Essen ist ganz ok, Micha bringt es aber dann doch nicht über sich den Fisch zu probieren (Malina ja sowieso nicht) und dann gibt es noch lustige kleine, warme Bällchen, die in einer Suppe schwimmen, zum Nachtisch. Wenn man die Konsistenz und die Temperatur außer Acht lässt, kann es auf jeden Fall als ein durchschnittlicher Nachtisch bewertet werden. Zum Abschluss des Abends spielen wir gemeinsam Karaoke und Micha singt mit seiner Gitarre noch ein paar Songs. Die drei Frauen sind total aus dem Häuschen: machen zig Videos und Selfies mit Micha im Hintergrund und Susan wird der erste Follower auf unserem Youtube-Kanal, der bis heute noch kein einziges Video enthält (Nachtrag Juli: mittlerweile schon 2!).

Schlafen tun wir dann übrigens in Susans altem Kinderzimmer. Mit großem Bett, Mickey Mouse Bettdecke und einem Moskitonetz. Klimaanlage läuft, wunderbar, morgen geht’s um 5.00Uhr weiter – (ja… 5.00Uhr…)

Um 4.45 Uhr klingelt der Wecker. Wir packen alles zusammen und brechen auf zu unserem Anfahrtsweg mit Boot, Taxi und nochmal Boot, bis wir um 6.00 Uhr – also mitten in der Nacht – unser Ziel erreichen. Hinter uns geht die Sonne langsam auf und vor uns ist das wohl größte Spektakel hier im Mekong Delta: der Floating Market. Hierfür hat es sich definitiv gelohnt so früh aufzustehen. Wir schippern mit unserem Boot über den Mekong, überall um uns herum größere und kleinere Boote, die ihr Obst, Gemüse oder was auch immer verkaufen.

Der Markt ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt: Pineapple Area, Coconut Area usw. Oben an den Masten des jeweiligen Schiffes hängt die Ware, welches das Boot verkauft. Wenn man etwas möchte, schreit man dem Boot irgendwas auf vietnamesisch zu, der Verkäufer kommt angerudert, hängt sich ein und los geht’s. Susan weiß, wo es die besten Brote, den besten Kaffee und die beste Suppe gibt. Floating Starbucks. Ein Markt aber eben auf dem Wasser. Grandios. Während Susan für uns das Frühstück ans Boot schreit, kommen unzählige kleine Boote angeschippert, legen ihr Seil an unser Boot und wollen uns was andrehen. Im Vorfeld hat uns Susan gewarnt, wir werden auch hier vieles angeboten bekommen, sollen aber nichts kaufen. Zu unserem großen Amüsement kaufen die Thailänderinnen, Yellow Mike und Susan aber ALLES was sie angeboten bekommen. Eine riesige Mango, Longan (eine Litschi-ähnliche Frucht), Chili-Samen, Spitzhüte… Alles was später noch in den Koffer passt. Nicht allzu weit entfernt besuchen wir als zweiten Spot am Morgen eine Reisnudelfabrik. Eine Fabrik… In einem Hinterhof stehen plötzlich irgendwo am Mekong 5 Maschinen, die Maximal 1x1m groß sind. Alle manuell zu bedienen. An jeder Maschine kann man quasi do-it-yourself mithelfen. Machen wir natürlich auch und langen alle fleißig die Nudeln mit unseren Dreckfingern an.

Die Nudeln werden wohl alle verkauft. Na dann wissen wir das jetzt auch… da schmeckt die Pho das nächste Mal doch noch ein bisschen besser. Als An, Jude und Yellow Mike mal wieder im Souvenirshop bei den Angeboten zuschlagen, warten wir vor der „Fabrik“. Plötzlich kommt ein Vietnamese um die Ecke gerannt. Hält Micha einen Holzpimmel mit Puschel vor die Nase und lacht sich tot des Grauens. Weil Malina zufällig die Kamera in der Hand hat, konnten wir den Moment festhalten. Zu geil!

Es ist inzwischen erst 9:00 Uhr und wir freuen uns etwas übermüdet und ziemlich verschwitzt darüber, was wir am heutigen Tag schon alles erlebt haben. Der letzte Stop unserer Tour, ist der Fruit Garden, wo sämtliche Früchte wachsen, die man in Vietnam kaufen kann. Völlig abgefahren… wir feiern die verschiedenen Früchte ab und kennen maximal 20% davon: Ananas, Banane, Mango, Papaya, Passionsfrucht und die Drachenfrucht.

Der Rest wird dann schon schwierig – wir müssen kurz nachschauen, haben ein paar mitgeschrieben: Jackfruit, Durian, Custard Apple, Milk Apple, Water Apple, Longan. Am Ende dürfen wir noch ein paar der Früchte probieren, bevor wir noch ein Gruppenbild schießen und dann alle in verschiedene Richtungen zur Weiterreise aufbrechen.

Kosten: 65$ (ca. 55 EUR) pro Person

Dauer: 2 Tage

Sonstiges: Wir haben Suzan einfach bei Facebook angeschrieben: https://www.facebook.com/Canthotouring/

2| Unser Food-Guide: Essen in Can Tho

Auf dem Nightmarket unbedingt die vietnamesische Pizza und die Eggwaffle probieren

3| Transport: In und rund um Can Tho

Wir sind mit Futabus von Ho Chi Minh nach Can Tho und wieder zurückgefahren. Hier haben wir im Vorfeld unsere Tickets gebucht: https://futabus.vn/en-US/booking-guide.html (Pickup point ist VP BX Mien Tay Terminal Bus Station). Wir haben die Busstation nicht auf Anhieb gefunden. Einfach bei Google Maps `395 Kinh Duong Vuong` Futa Bus Station suchen.

Kosten: 110.000 VND (ca. 4 EUR) pro Person und pro Weg

Dauer: 4 Stunden

4| Unterkunft: Dieses Hostel/Hotel können wir für Can Tho empfehlen:

Hoang Hai Dang Hotel

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