Sapa – ein Ausflug zu den beeindruckenden Reisterrassen

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Als wir in Sapa ankommen, fühlen wir uns wie auf dem Ballermann. Überall gibt es nur Hotels, Restaurants, Shops und Supermärkte. Es blinkt und mzzzt mzzzt mzzzzt nur so, dass einem die Ohren schlackern. Aber wir sind ja nicht wegen der Stadt, sondern wegen den Reisterrassen hier:

1| Sehenswürdigkeiten: Unsere Highlights und Tipps für Sapa

Natürlich eine Tour durch die Reisterrassen

Durch Ania und Daniel von geh.mal.reisen sind wir auf May Pham aufmerksam geworden. Wir haben ein paar Tage vor unserem Aufenthalt in Sapa Kontakt mit ihr aufgenommen. May Pham gehört zum Stamm der Red Dao und wohnt im Ta Phin Village. Mit ihr haben wir uns für 9.00 Uhr am Hotel verabredet. Dort begrüßen wir sie und eine andere Frau dann auch. Da May Pham heute Knieprobleme hat, übernimmt ihre Freundin May Khe [Maike] die Tour mit uns. May Khe hat ein tolles Gewand, mit vielen gestickten Details an und ein rotes Tuch auf dem Kopf. Alles was sie dabei hat, ist ein großer Regenschirm und eine Tasche, genauso bunt wie ihr Kostüm. Sie ist ca. 1,50 m und geht Micha somit bis zum Ellenbogen. Daher ist Micha nicht stark in das anfängliche Gespräch involviert, weil er sie gar nicht hören kann. Wir werden heute also 13 km durch die Reisterrassen bis zu May Phams und May Khes Dorf wandern. Im Vorfeld haben wir uns natürlich ein paar Bilder angeschaut, was uns aber wirklich erwartet, wissen wir nicht. Sonst hätte Malina vor der Reise definitiv mehr Sport getrieben. Hätte sie nicht, ja ok. Wir laufen nur ca. 20 Minuten und kommen dann direkt aus dem Staunen nicht mehr heraus: soweit das Auge reicht Reisterrassen – bewässert, trocken oder gerade in Arbeit.

Sapa mit diesem Reisterassen ist unglaublich und so beeindruckend, sowas haben wir vorher noch nie gesehen. Eine Ecke weiter machen wir Bekanntschaft mit zwei Büffeln, die lang nicht die einzigen Tiere sind, die sich in den Reisterrassen tümmeln.

Wir steigen berghoch, bergrunter, über Trampelpfade, Bäche (ist das die Mehrzahl von Bach?), Matschwege, durch Bambuswälder und die Reisfelder selbst und versuchen immer die Schritte von May Khe nachzulaufen. Bei ihr sieht das Ganze aus, wie bei einer jungen Bergziege, denn sie kennt jeden einzelnen Stein in- und auswendig.

Der Weg macht richtig Spaß und wir genießen es komplett in eine andere Welt einzutauchen, nehmen die Landschaft mit allen Sinnen wahr und hören May Khe gespannt zu. Wir fragen ihr viele Löcher in den Bauch. Sie erklärt uns natürlich wie der Reis angebaut wird, aber auch dass die Einwohnerinnen ihres Dorfes fast alle ihre Kinder alleine zu Hause bekommen, dass sie Europäer witzig findet, alle Dorfeinwohner ein Handy haben, wo sie gerne mal hinreisen würde und dass alle weiblichen Namen mit May anfangen.

Zwischendurch sieht es aus, als würde Malinas Kopf jeden Moment platzen, so rot ist er. Aber nach eigenen Angaben geht es ihr sehr gut. Wir machen trotzdem immer mal wieder eine Trinkpause und atmen kräftig durch. May-Khe hat gar nichts zu trinken dabei und möchte auch nichts von uns haben. Sie erzählt uns, dass sie einmal eine Woche lang nichts getrunken hat, da von der Quelle kein Wasser kam (das überlebt doch eigentlich kein Mensch oder? – die Dorfbewohner von Sapa aber wohl doch…). Sie erklärt uns weiter, dass die Dao-Einwohner ihres Dorfs sich fast komplett selbst verpflegen – sie essen den Reis und das Gemüse, welches sie selbst anbauen, schlachten einmal im Jahr ein schwarzes Schwein und bekommen Trinkwasser von der Bergquelle. May-Khe erzählt, dass sie eigentlich kaum Geld brauchen, denn auch die Kleidung nähen sie selbst. An einem Gewand arbeitet sie ein ganzes Jahr, da die Stickereien so aufwendig sind. Sie zeigt uns ein Stoffteil, was sie immer in ihrem Täschchen hat um weiterzuarbeiten, falls sie zwischendurch mal Zeit oder Langeweile hat.

Geld wird also nur für z. B. Schuhe oder größere Anschaffungen für die Arbeit auf dem Feld benötigt. Das regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Sie berichtet von dem Alltag ihrer 3.000 Dorfbewohner, die sie alle namentlich kennt. Der Tag startet früh um 4.00 Uhr. Erst wird gekocht, dann geht es für 10 Stunden auf das Reisfeld (+ 2 h Laufweg jeden Tag), abends wird wieder gekocht oder was noch so anfällt. Bei den Daos haben Frauen und Männer klar zugeteilte Aufgaben. Nur zum Reisfeld gehen beide.

Nach drei Stunden Wanderung, ziemlich verschwitzen T-shirts und Ansätzen von Sonnenbrand, an den Stellen, wo wir uns nicht richtig eingecremt haben, erreichen wir eine kleine Hütte. Hier gibt es Lunch für uns. Obwohl Lunch ist untertrieben, für uns ist es ein kleines Festmahl und wir sind das erste Mal auf unserer Reise satt J Nach der Mittagspause spannt May-Khe ihren Regenschirm auf und führt uns weiter durch die Felder. Sie zeigt uns den Weg zu einem wahnsinnig schönen Aussichtspunkt und wir können diese bezaubernde Natur und die Reisterrassen nochmal in vollen Zügen genießen.

Am Ende der Tour besuchen wir den Kindergarten und die Grundschule, auf die May-Khes Kinder gehen. Wie bestellt kommen sie direkt um die Ecke gerannt. May-Khes 10-jährige Tochter ist genau so groß wie sie. Die Kleinen bekommen von ihrer Mama ein paar Dongs in die Hand gedrückt und rennen nach draußen um sich „Candy“ zu kaufen. Wir stehen auf einem großen Schulhof – außen herum reihen sich die Klassenzimmer und Kindergarten-Gruppen. Die Kids winken uns alle ganz begeistert zu und wir sind so glücklich, dass wir die Gelegenheit haben, das hier zu erleben.

May-Khe erzählt uns auf dem Weg zum Abholpunkt, dass sie mit 18 geheiratet hat. „Were you allowed to choose your husband?“ – Mit einem Nooo, dass sich anhört, als hätten wir sie gerade gefragt, ob wir für ein halbes Jahr bei ihr einziehen könnten, erklärt sie uns, dass die Eltern des Mannes auf die Eltern der zukünftigen Braut zugehen und entscheiden, ob die beiden zusammenpassen. An der Hochzeit selbst trägt die Braut eine riesige Kopfbedeckung, sodass sie niemand erkennt, die Braut aber auch niemand erkennen kann. So lernte May-Khe ihren Mann erst kennen, nachdem sie geheiratet haben. Wir sind ganz schön überrascht, bisher hatte man darüber nur gelesen oder im Fernseh gehört und jetzt erzählt eine Frau einem selbst ihre Geschichte. Und für uns beide ist Liebe doch so etwas Wichtiges… Aber wer weiß, vielleicht sind die Paare ja auch zufrieden mit der Wahl ihrer Eltern. May-Khe dirigiert uns zu einem Tisch, neben dem ihre einheimischen Freundinnen sitzen. Sie zückt ihr Stoffteil – ja da kommt es heute sogar noch zum Einsatz! – und legt los zu sticken.

Kurz unterbricht sie diese Arbeit, um ihr gepflücktes Stück Bambus mit einem reibeähnlichen Etwas zu schälen. Sie drückt uns jeweils ein Stück in die Hand, „Mhh lecker, Bambus frisch gepflückt“ (Micha), „Bitte ess Du“ (Malina)! Das Bambusstück wird ausgesaugt und der Rest, den man nicht zerkauen kann, wird einfach auf die Straße gespuckt. Plötzlich bewegen sich May-Khes Freundinnen in unsere Richtung und fragen Micha wo wir herkommen, wie er heißt und wie lange er in Sapa ist. Ganz begeistert plaudert er mit den Damen und fragt, wie sie denn heißen. Die nächste Frage ist allerdings, ob er nicht ein Souvenir kaufen möchte. Als er diese Frage verneint, schwindet das Interesse an seiner Person leider sofort wieder. Wir quatschen also noch ein bisschen mit May-Khe und bedanken uns herzlich für diese tolle und untouristische Tour und fallen dann mit bleischweren Beinen ins Taxi und später ins Bett. Für heute haben wir Atemberaubendes erlebt und sind schon sehr gespannt, wie der Grad des Muskelkaters morgen ausfallen wird.

Kosten: 60$ (ca. 53 EUR) für beide

Dauer: ca. 5 Stunden

Sonstiges: zum Buchen der Tour einfach eine Mail an maypham.tourguide@gmail.com schreiben

3| Transport: In und rund um Sapa?

Die Strecke Hanoi – Sapa und wieder zurück haben wir mit dem bequemen Sleeper-Bus innerhalb von jeweils 6,5 Stunden (inkl. 2 Stopps) zurückgelegt. Wir sind mit Greenbus gefahren, da wir nicht über Nacht fahren wollten und waren super zufrieden. Gebucht haben wir die Tickets über unsere Hostels.

Hinfahrt: 350.000 VND (ca. 13 EUR) pro Person

Rückfahrt: 200.000 (ca. 7 EUR) pro Person.

Am besten zusätzlich Mal auch die aktuellen Preise auf der Homepage von Greenbus checken (http://greensapabus.com/). Im Preis inklusive ist ein Shuttle, der einen vom Hostel abholt und zum Bus bringt.

 

4| Unterkunft: Dieses Hostel/Hotel können wir für die Cameron Highlands empfehlen

Camilla: sehr günstig, sauber und nette Besitzer